Lü: Das sonnenreiche Bergjuwel über dem Val Müstair
Hoch über dem rätoromanischen Val Müstair im Schweizer Kanton Graubünden liegt das Bergdorf Lü auf einer markanten, sonnenexponierten Terrasse. Auf einer Höhe von bis zu 1.920 m ü. M. gelegen, galt die ehemalige Fraktion – heute Teil der Gemeinde Val Müstair – lange Zeit als eine der höchstgelegenen dauerhaft bewohnten Siedlungen Europas. Zusammen mit dem benachbarten Weiler Lüsai bewahrt der Ort ein authentisches, alpines Ortsbild, das durch Ruhe und Abgeschiedenheit besticht.
Für Naturbegeisterte ist Lü ein idealer Ausgangspunkt für anspruchsvolle Wanderungen in Richtung des Ofenpasses und des Schweizerischen Nationalparks. Die kalkhaltigen und schiefrigen Böden der Umgebung bieten optimale Bedingungen für eine diverse Flora: Entlang der Wanderwege lassen sich vitale Populationen verschiedener Hauswurz-Arten (Sempervivum) sowie zahlreiche andere geschützte alpine Pflanzen entdecken.
Ein besonderes botanisches Highlight war der Fund einer seltenen Dreifach-Hybride. An dieser komplexen Kreuzung sind gleich drei Arten beteiligt: Sempervivum × fauconnetii × S. montanum. Diese außergewöhnliche Pflanze vereint die genetischen Merkmale von S. arachnoideum, S. tectorum und S. montanum. Solche multiplen Hybriden sind an Naturstandorten eine Seltenheit und zeugen von der hohen biologischen Dynamik und der engen Verzahnung der Lebensräume in dieser Hochgebirgsregion.